Einfach mal ’ne Schule gründen

Da liest man nichtsahnend die WAZ, um sich ein wenig über Essen und Nachbarschaft auf dem Laufenden zu halten, und auf was stößt man da? Ein Artikel über Eltern, die einfach mal eine neue Schule gründen. Ernüchtert – und vielleicht frustriert – aufgrund ihrer eigenen Schullaufbahn und den Erfahrungen, die sie mit den Schulen ihrer Kinder machen müssen.

Nachdem wir nun seit etwa einem halben Jahr Eltern eines Schulkindes sind, ist das eine voll und ganz nachvollziehbare Handlung: Viel zu große Klassen auf viel zu wenig Lehrer, die von daher hart an ihrer Belastungsgrenze arbeiten, treffen auf eine schlechte Ausstattung. Andernorts liest man sogar von Schulen, die gar nicht mehr in der Lage sind, Noten zu vergeben, weil nicht ausreichend Unterricht stattgefunden hat.

Da erwartet man eigentlich milliardenschwere Rettungsmaßnahmen, Notpläne und rollende Köpfe, wie bei Banken und Privatfirmen wie Opel. Immerhin stehen hier abertausende zukünftiger Arbeitnehmer und Billiarden noch zu erwirtschaftender Euros auf dem Spiel.

Das aktuelle Projekt in Essen ist derzeit ein gemeinnütziger Verein von zehn Menschen, und nennt sich „Freie Alternative Schule in Essen“ (FASE). Nähere Informationen findet man auf ihrer Webseite.

Wir wünschen von Herzen viel Erfolg und werden versuchen uns anzuschließen.

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Mal wieder ein Essensplan

Was die Flotte Karotte bringt

0.45 kg Äpfel Redprince von Augustin
0.5 kg Birne Conference
0.4 kg rote Pflaumen
0.75 kg Broccoli
1 kg Möhren
0.75 kg Porree von Bursch
1 Stück Radieschen
1 Stück Pflücksalat im Topf, täglich ein Genuss vom Klosterberghof

Was ich daraus mache

Es ist bereits Mittwoch und von Pflaumen und Radieschien ist nichts mehr übrig. Aber ich habe noch Reste von der letzten Kiste die nicht verbraucht wurde, weil wir in den Osterferien so viel unterwegs waren.

Daher wird es Staudensellerie-Creme-Suppe geben und noch mal Partysalat oder sowas.

Zum Broccoli gibt es Fischstäbchen und Kartoffeln und reichlich Sauce Hollandaise die ich übrigens nicht selbst mache, weil das Eigelb beim erneuten erwärmen gerinnt und ich das Essen für meine Arbeitenden Haushaltsmittglieder ja vorkochen muss.

Aus dem Lauch mache ich Lauch-Käse-Suppe, einmal vegetarisch mit Möhren und Kohlrabi und einmal mit Hackfleisch. Die Rezepte werde ich hier anfügen, ich mache sie aus dem Bauch heraus, daher muss ich die Mengen erst einmal abwiegen.

Dazu gibt es das 5-Minuten-Brot das ich und meine ganze Familie enorm schätzen.

Und Süßes gibt es auch dazu

Ich will versuchen noch mal meine Müsli-Muffins zu machen und dabei das Rezept auch aufzuschreiben. Sie basieren auf den hier schon mehrmals abgewandelten Zitronenmuffins mit Hermannteig und sind enorm lecker.

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Aufräumen beim Essener SauberZauber

Am 10. März 2018 fand der 13. Essener SauberZauber statt: Knapp 16.000 Essener Bürger räumten mit Mülltüten, Zangen, Warnwesten und Ansteckern bewaffnet die Stadt auf.

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Die Kinder hatten Spaß

Man mag jetzt ein wenig geteilter Meinung sein, warum es freiwillige Bürger braucht, um Arbeit zu erledigen, für die ein und für sich die Stadt zuständig ist, und man mit dieser Aktion sicherlich in erster Linie diejenigen anspricht, die ihren Müll ohnehin nicht in das nächste Gebüsch werden. Für uns war es eine Gelegenheit, unseren Kindern zu zeigen, dass man man Dinge verbessern kann, wenn man nur selbst ein wenig anpackt. Und sie darauf aufmerksam zu machen, wieviel Dreck und Müll sich in den Büschen und Grünstreifen ansammelt, wenn man Abfälle achtlos aus den Boden wegwirft.

Und was wir gefunden haben, waren zum allergrößten Teil Zigarettenschachteln, Einwegkaffeebecher und Schnapsflaschen. Die Zigarettenstummel waren so dermaßen viele, dass wir sie selbst dann nicht aufgesammelt hätten, wenn sie mit unseren einfachen Holzzangen greifbar gewesen wären. Darüber hinaus waren gerade an den Hundestrecken die Kothaufen zahllos, die zwar in einen dementsprechenden Beutel gepackt worden sind – dann aber einfach ins Grün geworfen sind – auf, dass der Hundehaufen bloß nicht verrotten soll.

Interessanterweise beschränkte sich der Müll, den wir gesammelt haben, wirklich zu – sagen wir mal – 80% auf diese wenigen Kategorien. Würde man eben diese Gruppierungen also sensibilisieren können, wäre unsere Nachbarschaft sauber.

Was will die Stadt damit erreichen?

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Unser Ergebnis nach zwei Stunden

Einmal im Jahr punktuell und oberflächlich die Bürger Müll sammeln zu lassen, ist nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein. Nach dem nächsten Wochenende wird es vielerorts wieder so aussehen wie vorher. Dass man mit dieser Aktion diejenigen erreicht, die ihren Müll einfach so wegwerfen, wage ich zu bezweifeln.

Sinnvoller ist es da schon eher, ganze Schulklassen mithelfen zu lassen. Hier können die Kinder für den Dreck in ihrer Umwelt sensibilisiert werden. Vielleicht macht sich nach einer solchen Putzaktion der ein oder andere Schüler die Mühe, die paar Schritte zum nächsten Mülleimer zu laufen – oder er macht vielleicht mal seine Eltern darauf aufmerksam, dass man die Zigarette nicht auf den Boden wirft.

Der SauberZauber

Logo_SauberZauber_ohne_DatumDiese Veranstaltung fand dieses Jahr bereits zum 13. Mal statt. Dieses Jahr waren mit 15.476 Menschen zwar geringfügig weniger als letztes Jahr dabei, insgesamt steigt die Teilnehmerzahl aber von Jahr zu Jahr. Organisiert von der Ehrenamtagentur der Stadt Essen, den Entsorgungsbetrieben und der Stadt selber kann man sich alleine oder in Gruppen anmelden und wird mit Müllsäcken, Zangen, Warnwesten und Ansteckern versorgt. Die Ehrenamtagentur macht sich sogar die Mühe, bei Bedarf im Vorfeld mit den angemeldeten Menschen Kontakt aufzunehmen, um eventuell Kontakt herzustellen und Gruppen zusammenzubringen. Neben der kostenfreien Fahrt mit Bus und Bahnen las man beispielsweise auch von Cafés, die jedem SauberZauber-Teilnehmer ein Eis ausgaben.

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Der neue Essensplan

Was heute kommt:

0.7 kg Aubergine
1 Stück Chinakohl
1 kg Möhren
1 Stück Postelein, 125g vom Trantenrother Hof
0.25 kg Cherry-Strauchtomaten
1 Bund Schnittlauch im Bund
0.5 kg Äpfel Jonagored von Augustin
0.45 kg Clementinen Nadorcott
1 Stück Granatapfel Hicaz
0.7 kg Blutorangen zum Saften

Was ich daraus mache:

Die Aubergine werde ich im Ofen backen, mit etwas Knoblauch und Chilli in Olivenöl. Dann das Fruchtfleisch mit Feta vermischen, noch mal etwas nachwürzen und auf Hefeteig streichen, mit fein gewürfelter Paprika bestreuen, den Teig aufrollen, in Stücke schneiden. In einer Form aufrecht stellen und mit Käse und etwas Butter überbacken. – Klingt irgendwie cool, oder? Jetzt wird sich die Frage stellen ob es auch klappt 🙂

Das Postelein kommt in einen Nudelsalat, wie üblich nur vielleicht diesmal ein anderes Rezept, im Grunde ist das aber alles recht unproblematisch.

Da mir die Quiches doch so langsam aus den Ohren kommen wird der Chinakohl zur Lasagne.

Um das nudel- und teiglastige dieser Woche etwas aufzufrischen werden die Tomaten mit Parmesan, Zwiebel und Zucchini zu einer Kartoffelpfanne. Dazu braucht es kein Rezept, oder? – Man kocht Kartoffeln und schneidet Gemüse, das Gemüse wird dem Härtegrad entsprechend in gutem Öl angebraten, dann kommen die Kartoffeln dazu, man schmeckt mit Tiefkühlkräutern und vielleicht etwas Essig ab und fertig.

Dazu gibt es natürlich wieder Süßes

Ich habe von meinem Lieblings-Muffinrezept eine Kokosnuss Vartiante 75g Kokosflocken und 100 ml Kokosnussmilch gemacht und habe daher Kokosflocken die weg sollten, daher werde ich Kokoskekse mit Kokosmehl backen und den Zuckeranteil reduzieren, inzwischen sind wir schlichtweg nicht mehr so die süßen.

Außerdem werde ich noch Nussmuffins machen, weil man Hermann so gut gedeiht. Wie es mit dem Hermann aussieht schreibe ich aber die Tage in einem eigenem Beitrag.

Der kleine Müllärger zwischendurch

Wäre es nicht praktisch, wenn Lebensmittel bereits optimal verpackt an den Bäumen wachsen würden?

Wieso müssen wir alles einpacken? Wenn ich den Nutzen einer Verpackung nicht erkennen kann, regt mich das immer wieder auf, vor allem, wenn ich keine Alternative finde und mich dann doch dem Pragmatismus füge, es zu kaufen.

Ich bin ein echter REWE-Fan: Ich kaufe da sehr gerne ein und finde den Kurs des Unternehmens gut. Auch die Eigenmarke „REWE Beste Wahl“ finde ich toll, aber das hier hat mich sehr geärgert:

Überflüssigerweise einzelverpackter Knoblauch
Überflüssigerweise einzelverpackter Knoblauch

Ja, es ist eine EINZELNE Knoblauchknolle in einem Plastiksäckchen und einem riesigen Kunststoffschildchen, auf dem „Knoblauch“ steht, weil man es sonst für eine Tomate gehalten hätte.

Die Rote Bete darunter war unverpackt und alle Infos über Herkunftsland und Qualität standen auf einem Schild daneben. Wieso durfte der Knoblauch das nicht? Er bringt doch eine perfekte Verpackung von Natur aus mit. Lieber REWE-Konzern: Bitte nachbessern!

 

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Neue Woche, neue Kiste

Ich liebe es ja, wenn ich Gemüse in meiner Kiste finde, das ich im Leben noch nicht gesehen habe. Diesmal ist dieses Gemüse Mönchsbart oder Krähenfuß-Wegerich, ich hätte es für Gras gehalten, jetzt haue ich es aber zu Makaroni rein.

Also los gehts!

Was in der Kiste drin ist:

1 Stück Salat Mix Spinat & Rucola, 100g von Brands
1 Bund Mönchsbart im Bund, ca. 100g von Biolatina
1 Stück Kohlrabi
0.5 kg Mangold
1 kg Möhren
0.5 kg Porree
0.5 kg Romatomaten von Campo Joyma
0.5 kg Äpfel Jonagold von Cordes
0.4 kg Clementinen Nadorcott
0.5 kg Orangen Lane Late

Was ich daraus mache:

Ich habe diesmal tatsächlich 80€ für den Wocheneinkauf ausgegeben, aber es waren auch einige Luxusprodukte dabei wie z.B. 250 ml Wein. Trotzdem verdammt viel. Entsprechend sollte ich viel draus machen können.

Den Butternut Kürbis, den ich noch über habe, werde ich nach eigenem Rezept mit Feta und getrockneten Tomaten sowie Spitzkohl und Couscous füllen und dann überbacken.
Beim Rewe haben mich die Bio-Hokkaidokürbisse so angelacht, daher wird es auch eine Kürbis-Lasagne mit Tomaten geben, dann wären auch die Tomaten verbraucht.
Den Mönchsbart haue ich in die Nudeln.
Die Möhren und den Kohlrabi verarbeite ich zu einer vegetarischen „Bolognese“, die war das letzte mal so unglaublich lecker und mega haltbar.
Aus dem Porree mache ich eine Käse-Lauch-Suppe mit Zartweizen nach eigenem Rezept, die ist auch gut einfrierbar.

Ich hoffe sehr, dass ich genügend Dosen für die Sachen habe, die meisten Sachen müssen nämlich schnell weg.

Den Salat werde ich wohl gleich mit dem Sozialexperiment zusammen vernichten, so viel ist das leider nicht.

Und Süßes dazu:

Ich habe noch Müslimuffins mit Kokosblütenzucker im Schrank, die sind sehr lecker aber viel zu süß, obwohl ich nur 40g Zucker rein getan habe, ich denke, es würden zwei Teelöffel völlig ausreichen, immerhin sind da 100g Trockenfrüchte drin. Aber mit diesem Rezept werde ich weiter experimentieren.

Ansonsten gibt es Apfelblechkuchen nach Yvonne, selbstgekochtes Apfelmus und vielleicht Mandarinenmuffins … *grübel*

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Zucker und weniger Zucker

Zucker ist bei uns so eine Sache. Mein Sohn reagiert enorm schlecht auf industriell gefertigten Zucker und Süßigkeiten, daher mussten wir nach vielen Versuchen und ziemlich viel Leid alles „gekaufte“ Süße aus unserem Haushalt verbannen. Es hat sich gelohnt: Meinem Sohn und uns allen geht es enorm besser, aber das mit dem Leid war einfach nicht OK.

Dass wir alle zu viel Zucker zu uns nehmen, ist inzwischen Tatsache. Zucker macht uns nachhaltig krank, aber wenn man jemandem sagt, er solle auf Zucker verzichten, kommen nur so Sprüche wie: „Dann kann man sich ja gleich erhängen“ oder „Nimm mir doch alles, was Spaß macht, im Leben!“

Doch im Gegensatz zu Nikotin und Alkohol, die in unserem Organismus nichts zu suchen haben, ist Zucker ja durchaus Teil unserer Ernährung. Es kann ja nicht sein, dass gesund leben mit Verzicht und Leid zusammenhängt.

Tut es auch nicht. Meinem Sohn geht es prächtig und auch wir leben inzwischen nicht nur mit weniger Zucker und gesünder, sondern auch extrem lustvoll. Das Problem ist nicht der geringere Zuckerkonsum, sondern die Veränderung von „zu viel“ auf „genug“.

Der Aspekt der Gewöhnung

Zucker ist schon ziemlich fies, denn wir gewöhnen uns dran, ähnlich wie bei Alkohol oder Zigaretten. Und ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln hat diese Gewöhnung zwei Aspekte nämlich die Abhängigkeit und die Desensibilisierung.

Gegen die Abhängigkeit anzukämpfen, ist unheimlich schwierig, wie wir von anderen Suchtmitteln wissen. Vor allem bei Zucker, denn die Lust auf Süßes ist uns genetisch vorgegeben, schon die Muttermilch ist süß. Hinzu kommt, dass Zucker in der Gesellschaft so positiv belegt ist wie kein anderes Suchtmittel.

„Iss dein Gemüse, dann gibt es auch ein Eis zum Nachtisch.“ – Zucker ist die Belohnung, das Gemüse die Strafe. Zum Geburtstag gibt es keinen Obstkorb sondern eine Schokotorte, alle Feiertage sind mit Süßspeisen verbunden, am Zucker hängen all unsere schönen Kindheitserinnerungen. Dass Zucker mehr Menschen krank macht als Zigaretten und Alkohol zusammen, ist da schwer zu argumentieren, vor allem, weil es ja schon „immer“ so war.

Der bessere Ansatz ist es also, die Desensibilisierung anzugehen. Das Konzept ist simpel, wir gewöhnen uns an bestimmte Süß-Grade und je höher die Gewöhnung, desto höher die Dosis, die wir für den „Kick“ brauchen.

Sie können das mit einem Experiment ausprobieren:

Trinken Sie ihren Kakao wie üblich und zählen die Löffelchen Kakaopulver, die Sie in die Tasse tun. Am nächsten Tag verdoppeln sie die Pulvermenge, der Kakao wird widerlich süß schmecken. Am dritten Tag gehen sie wieder zu ihrer üblichen Pulvermenge zurück, ggf. wird ihnen der Kakao jetzt schon zu wenig süß sein. Aber machen sie dann ruhig weiter und erhöhen die Pulvermenge in kleinen Schritten, Tag für Tag ein halbes Löffelchen mehr, bis Sie wieder bei der doppelten Menge angelangt sind. Jetzt schmeckt der Kakao nicht mehr widerlich. Sie haben sich an die Süße gewöhnt und wenn Sie jetzt wieder von Heute auf Morgen auf die ursprüngliche Menge wechseln, können Sie sich plötzlich nicht erklären, wie sie diese laue Brühe je haben als süß empfinden können.

Natürlich hat kaum ein Mensch sein Süßempfinden wie in diesem Experiment gezielt hochgedreht. Wenn wir uns angewöhnt haben, abends ein Stückchen Schokolade zu essen, ist es eigentlich kein Ding, bei nur einem Stückchen zu bleiben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, im Guten wie im Schlechten. Das Problem ist eher, dass man uns hinter unserem Rücken den Zuckeranteil in dem Stückchen Schokolade hochgedreht hat und nicht nur da. Zucker gibt es inzwischen überall, selbst in angeblichen Rohprodukten wie Fleisch. Um Geld zu sparen, wird Fleisch mit Wasser aufgequollen, Wasser schmeckt bekanntlich nach nichts, also wird Salz und Zucker zugesetzt, um den Geschmack von Fleisch zu verstärken. Unsere Geschmacksnerven werden veräppelt und veräppeln uns zurück, indem das Stückchen Schoki plötzlich nicht mehr so schmeckt wie gewohnt.

Die Entwöhnung

Um aus diesem Kreislauf wieder heraus zu kommen, muss man nicht auf teuren oder zwielichtigen Zuckerersatz umsteigen, oder sich gar durch einen kalten Entzug quälen, man kann sich ganz langsam entwöhnen, mit ganz simplen Tricks.

Reduktion: Anfangen sollte man bei gesüßten Getränken. Zucker im Tee und Kaffee, Kakaopulver in der Milch oder Säfte kann man ganz langsam entsüßen. Wie im Experiment oben, nur eben rückwärts, jede Woche ein halbes Löffelchen weniger Zucker oder Kakaopulver, jeden Tag etwas mehr Wasser in den Saft kippen. Sie haben ihren Körper seit Jahren mit Zucker belastet, wenn Sie jetzt ein paar Monate oder gar zwei, drei Jahre zur Zuckerreduktion brauchen, ist das schon OK. Ausnahme sind natürlich ernsthafte Erkrankungen, aber da hören sie doch bitte auf Ihren Arzt und nicht auf mich!

Tipps:

  • Aufgeschäumte Milch schmeckt süßer als flüssige, ohne ihren Zuckergehalt zu verändern. Schäumen sich ihre Milch für den Kaffee also auf und verzichten auf ein weiteres Löffelchen Zucker.
  • Früchtetees bringen natürliche Süße mit aber nur enorm wenig echten Zucker, sie sind perfekt als Alternative zu Säften oder Schorlen.
  • Wechseln Sie von weißem Zucker zu Kandis oder Honig. Gleiche Produktmenge bringt weniger Zucker und ein anderes „Süß“ – das hilft bei der Entwöhnung. Aber es ist immer noch Zucker, daher auch Kandis und Honig in Getränken reduzieren!

Zweiter Schritt ist das gründliche Lesen: Zucker hat viele Namen, schlagen Sie diese nach und suchen Sie nach Produkten ohne Zucker. Ihre Wurst muss nun wirklich nicht gezuckert sein. Vor allem bei fertigen Tiefkühlprodukten sollten Sie ein Auge darauf haben, sofern Sie nicht bereits beim vierten Schritt sind. Aber selbst so etwas eindeutig Zuckerhaltiges wie Marmelade gibt es mit 90% Zucker und mit 30% Zucker, das macht schon einen Unterschied. Eine unerwartete Falle sind Fruchtquark und Fruchtjogurt. Vor allem bei Kinderprodukten ist der Zuckergehalt enorm, doch einem Kind beizubringen, dass es auf das Prinzessinnenbildchen auf der Verpackung verzichten soll, ist leichter, als ihm zu erklären, dass es jetzt keinen Erdbeerquark mehr gibt.

Kontrolle übernehmen: Schritt zwei endete beim Erdbeerquark. Haben Sie die Zutatenliste gelesen? Wie viel Erdbeere ist da drin? Alle Milchprodukte mit Geschmack enthalten keine nennenswerten Obstmengen, Sie haben also keinen Vorteil von dem Erdbeerquark, außer des Geschmacks und der ist bekanntlich eine Sache der Gewöhnung. Um auf pure Lebensmittel wie Magerquark oder Naturjoghurt umsteigen zu können, muss man das Milchprodukt und den Geschmack trennen. Kaufen Sie Naturjogurt und süßen diesen großzügig mit einem guten Fruchtaufstrich. Kurzfristig erhöhen Sie damit vielleicht den Zuckergehalt des Jogurts aber Sie gewinnen Kontrolle zurück, denn SIE entscheiden wie viel Zucker sie rein tun, nicht die Industrie und Sie können diese Menge wieder kontrolliert reduzieren. Bei Mischprodukten aller Art ist das ein wichtiger Zwischenschritt: Kaufen Sie die ungesüßte Form und süßen Sie ruhig nach, denn es muss zu jeder Zeit schmecken!

Tipps:

  • Selbstgemachter Quark – 500 g Magerquark in eine Schüssel geben, Milch hinzugeben und mit einem Schneebesen glatt rühren. Milchmenge nach gewünschtem Grad der Cremigkeit bestimmen, man kann einen Teil der Milch auch kalt aufschäumen und unter den Quark heben. Nach Geschmack mit Zucker, Vanillezucker und Schokostreuseln süßen.
  • Ein Päckchen Vanillezucker auf einen Portionsbecher Naturjogurt kippen und umrühren: Schon hat man Vanillejoghurt. (Naturjogurt kann man auch selber machen)
  • Apfelmus, auch gesüßter, ist toll auf Quark und Naturjogurt.
  • Mit Bannanenstückchen, Nüssen, Datteln und Rosinen kann man Milchprodukte natürlich süßen und Aromatisieren. Experimentieren Sie mit der Konsistenz, wer keine Rosinen mag, mag vielleicht Rosinenmus.

Schritt vier ist dann wohl die größte Umstellung: Selber machen. In der rohen Zucchini gibt es garantiert keinen Zuckerzusatz, auch Äpfel, Bananen, Paprika, Walnüsse, Haferflocken etc. bringen nur natürlichen Zucker mit, der völlig in Ordnung ist. Fangen Sie also an, Dinge selbst zu machen und gehen Sie auch hier wieder ganz pragmatisch vor:

  1. Bestandteile trennen: Kaufen Sie keine Tiefkühlpizza, sondern Fertigpizzateig, Pizzatomaten in der Dose und ihren Wunschbelag.
  2. Lesen Sie die Zutatenlisten: Bei jedem Bestandteil wählen Sie das Produkt, mit den wenigsten Zutaten und ohne Zucker. Auch wenn Sie in der Summe mit Ihrer Auswahl höher liegen als beim Tiefkühlprodukt, Sie haben die Kontrolle zurück.
  3. Optimieren Sie nach: Ersetzen Sie die Pizzatomaten durch passierte Tomaten und getrockneten Oregano, nehmen Sie frische Champignons statt die aus der Dose, frische Ananas statt gezuckerter. Probieren Sie aus, ob Ihr Lieblingsbelag auch auf Vollkornpizzateig schmeckt.

Selber backen ist ein hervorragendes Mittel zur Zuckerreduktion, die meisten Rezepte kommen mit 50 g Zucker aus, während bei industrieller Fertigung das dreifache verwendet wird. Backen sie mit Hefe oder Sauerteigen wie dem Hermann, bei den Gärvorgängen wird der Zucker aufgespalten und wirkt im Körper gleich ganz anders. Hier gelten auch die Tipps aus dem Punkt „Reduktion“ ersetzen Sie einen Teil des  Zucker in Rezepten durch Rosinen und Nüsse. So bleibt die Süße erhalten, der Zuckeranteil auf das Volumen sinkt aber.

Auch das selber kochen und backen sollte kein Aufwand sein. Tütenprodukte sind zwar kein Ideal, weil dort oft Zucker versteckt ist, um den Geschmack der beim Pulverisieren verloren gegangen ist, wieder zu puschen, aber wenn Sie auf die Zutatenliste achten, ist ein Tütenprodukt, dem Sie frisches Gemüse zugeben noch immer besser als ein Fertigprodukt aus der Tiefkühltruhe. Außerdem ist es eben ein Schritt zum Selberwürzen und gewöhnt uns wieder ans Kochen, der absoluten Basis für jede Ernährungsumstellung.

Der schmerzfreie Verzicht.

Wenn Sie Ihren Körper vom Zucker entwöhnen, ersetzen Sie viele Lebensmittel automatisch. Statt schwarzen Tee mit Zucker trinken Sie jetzt Früchtetee, statt Fruchtquark Naturjogurt. Achten Sie jetzt darauf, welche Lebensmittel übrig geblieben sind und welche ganz rausgefallen? Bei gewissen Produkten ist der Zuckergehalt nun mal Grundbestandteil, jetzt ist der Moment der Wahrheit gekommen, haben Sie sich gut entwöhnt wird ihnen die Cola nicht mehr so recht schmecken, auch der Fertigpudding und der Energiedrink werden widerlich. Kommen Sie in Gastronomien plötzlich mit dem Klecks Ketchup aus, der früher viel zu wenig gewesen ist? Leiden Sie immer noch, wenn Sie sich nur eine Eiskugel holen statt drei oder ist Ihnen schon die Vorstellung von so viel Süßem zuwider?

Die Lebensmittelindustrie hat uns, ohne dass wir es gemerkt haben, auf enorme Zuckerwerte gepuscht, wir können die Spirale aber zurückdrehen und zwar ohne zu leiden, indem wir immer nur auf das verzichten, worauf wir schmerzfrei verzichten können. Mit jedem Gramm Zucker weniger fällt es uns leichter, auch das nächsten Gramm raus zu schmeißen, aber nur, wenn keiner dieser Schritte weh tut.

Wenn Sie Nichtraucher sind, fällt es ihnen doch auch nicht schwer, nicht zu rauchen, oder? Mit dem Zucker ist es genauso, wenn Sie ihren Grundspiegel senken ist es überhaupt nicht mehr schwer, nicht den ganzen Kuchen zu essen –, weil Ihnen schon nach zwei Stücken einfach schlecht wird 🙂