Chips in gesunder Ernährung

Kennen Sie die total leckeren Pommes-Chips, die es bei Aldi für 90 ct je Tonne gibt? Als Knabberzeug sind die ja tödlich, weil man nicht aufhören kann, eh die Riesenpackung nicht leer ist, aber als Topping für grüne Salate sind die Dinger grandios!
Man muss nur zwischendurch die Finger von lassen können 😉

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Zucker und weniger Zucker

Zucker ist bei uns so eine Sache. Mein Sohn reagiert enorm schlecht auf industriell gefertigten Zucker und Süßigkeiten, daher mussten wir nach vielen Versuchen und ziemlich viel Leid alles „gekaufte“ Süße aus unserem Haushalt verbannen. Es hat sich gelohnt: Meinem Sohn und uns allen geht es enorm besser, aber das mit dem Leid war einfach nicht OK.

Dass wir alle zu viel Zucker zu uns nehmen, ist inzwischen Tatsache. Zucker macht uns nachhaltig krank, aber wenn man jemandem sagt, er solle auf Zucker verzichten, kommen nur so Sprüche wie: „Dann kann man sich ja gleich erhängen“ oder „Nimm mir doch alles, was Spaß macht, im Leben!“

Doch im Gegensatz zu Nikotin und Alkohol, die in unserem Organismus nichts zu suchen haben, ist Zucker ja durchaus Teil unserer Ernährung. Es kann ja nicht sein, dass gesund leben mit Verzicht und Leid zusammenhängt.

Tut es auch nicht. Meinem Sohn geht es prächtig und auch wir leben inzwischen nicht nur mit weniger Zucker und gesünder, sondern auch extrem lustvoll. Das Problem ist nicht der geringere Zuckerkonsum, sondern die Veränderung von „zu viel“ auf „genug“.

Der Aspekt der Gewöhnung

Zucker ist schon ziemlich fies, denn wir gewöhnen uns dran, ähnlich wie bei Alkohol oder Zigaretten. Und ähnlich wie bei anderen Suchtmitteln hat diese Gewöhnung zwei Aspekte nämlich die Abhängigkeit und die Desensibilisierung.

Gegen die Abhängigkeit anzukämpfen, ist unheimlich schwierig, wie wir von anderen Suchtmitteln wissen. Vor allem bei Zucker, denn die Lust auf Süßes ist uns genetisch vorgegeben, schon die Muttermilch ist süß. Hinzu kommt, dass Zucker in der Gesellschaft so positiv belegt ist wie kein anderes Suchtmittel.

„Iss dein Gemüse, dann gibt es auch ein Eis zum Nachtisch.“ – Zucker ist die Belohnung, das Gemüse die Strafe. Zum Geburtstag gibt es keinen Obstkorb sondern eine Schokotorte, alle Feiertage sind mit Süßspeisen verbunden, am Zucker hängen all unsere schönen Kindheitserinnerungen. Dass Zucker mehr Menschen krank macht als Zigaretten und Alkohol zusammen, ist da schwer zu argumentieren, vor allem, weil es ja schon „immer“ so war.

Der bessere Ansatz ist es also, die Desensibilisierung anzugehen. Das Konzept ist simpel, wir gewöhnen uns an bestimmte Süß-Grade und je höher die Gewöhnung, desto höher die Dosis, die wir für den „Kick“ brauchen.

Sie können das mit einem Experiment ausprobieren:

Trinken Sie ihren Kakao wie üblich und zählen die Löffelchen Kakaopulver, die Sie in die Tasse tun. Am nächsten Tag verdoppeln sie die Pulvermenge, der Kakao wird widerlich süß schmecken. Am dritten Tag gehen sie wieder zu ihrer üblichen Pulvermenge zurück, ggf. wird ihnen der Kakao jetzt schon zu wenig süß sein. Aber machen sie dann ruhig weiter und erhöhen die Pulvermenge in kleinen Schritten, Tag für Tag ein halbes Löffelchen mehr, bis Sie wieder bei der doppelten Menge angelangt sind. Jetzt schmeckt der Kakao nicht mehr widerlich. Sie haben sich an die Süße gewöhnt und wenn Sie jetzt wieder von Heute auf Morgen auf die ursprüngliche Menge wechseln, können Sie sich plötzlich nicht erklären, wie sie diese laue Brühe je haben als süß empfinden können.

Natürlich hat kaum ein Mensch sein Süßempfinden wie in diesem Experiment gezielt hochgedreht. Wenn wir uns angewöhnt haben, abends ein Stückchen Schokolade zu essen, ist es eigentlich kein Ding, bei nur einem Stückchen zu bleiben. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, im Guten wie im Schlechten. Das Problem ist eher, dass man uns hinter unserem Rücken den Zuckeranteil in dem Stückchen Schokolade hochgedreht hat und nicht nur da. Zucker gibt es inzwischen überall, selbst in angeblichen Rohprodukten wie Fleisch. Um Geld zu sparen, wird Fleisch mit Wasser aufgequollen, Wasser schmeckt bekanntlich nach nichts, also wird Salz und Zucker zugesetzt, um den Geschmack von Fleisch zu verstärken. Unsere Geschmacksnerven werden veräppelt und veräppeln uns zurück, indem das Stückchen Schoki plötzlich nicht mehr so schmeckt wie gewohnt.

Die Entwöhnung

Um aus diesem Kreislauf wieder heraus zu kommen, muss man nicht auf teuren oder zwielichtigen Zuckerersatz umsteigen, oder sich gar durch einen kalten Entzug quälen, man kann sich ganz langsam entwöhnen, mit ganz simplen Tricks.

Reduktion: Anfangen sollte man bei gesüßten Getränken. Zucker im Tee und Kaffee, Kakaopulver in der Milch oder Säfte kann man ganz langsam entsüßen. Wie im Experiment oben, nur eben rückwärts, jede Woche ein halbes Löffelchen weniger Zucker oder Kakaopulver, jeden Tag etwas mehr Wasser in den Saft kippen. Sie haben ihren Körper seit Jahren mit Zucker belastet, wenn Sie jetzt ein paar Monate oder gar zwei, drei Jahre zur Zuckerreduktion brauchen, ist das schon OK. Ausnahme sind natürlich ernsthafte Erkrankungen, aber da hören sie doch bitte auf Ihren Arzt und nicht auf mich!

Tipps:

  • Aufgeschäumte Milch schmeckt süßer als flüssige, ohne ihren Zuckergehalt zu verändern. Schäumen sich ihre Milch für den Kaffee also auf und verzichten auf ein weiteres Löffelchen Zucker.
  • Früchtetees bringen natürliche Süße mit aber nur enorm wenig echten Zucker, sie sind perfekt als Alternative zu Säften oder Schorlen.
  • Wechseln Sie von weißem Zucker zu Kandis oder Honig. Gleiche Produktmenge bringt weniger Zucker und ein anderes „Süß“ – das hilft bei der Entwöhnung. Aber es ist immer noch Zucker, daher auch Kandis und Honig in Getränken reduzieren!

Zweiter Schritt ist das gründliche Lesen: Zucker hat viele Namen, schlagen Sie diese nach und suchen Sie nach Produkten ohne Zucker. Ihre Wurst muss nun wirklich nicht gezuckert sein. Vor allem bei fertigen Tiefkühlprodukten sollten Sie ein Auge darauf haben, sofern Sie nicht bereits beim vierten Schritt sind. Aber selbst so etwas eindeutig Zuckerhaltiges wie Marmelade gibt es mit 90% Zucker und mit 30% Zucker, das macht schon einen Unterschied. Eine unerwartete Falle sind Fruchtquark und Fruchtjogurt. Vor allem bei Kinderprodukten ist der Zuckergehalt enorm, doch einem Kind beizubringen, dass es auf das Prinzessinnenbildchen auf der Verpackung verzichten soll, ist leichter, als ihm zu erklären, dass es jetzt keinen Erdbeerquark mehr gibt.

Kontrolle übernehmen: Schritt zwei endete beim Erdbeerquark. Haben Sie die Zutatenliste gelesen? Wie viel Erdbeere ist da drin? Alle Milchprodukte mit Geschmack enthalten keine nennenswerten Obstmengen, Sie haben also keinen Vorteil von dem Erdbeerquark, außer des Geschmacks und der ist bekanntlich eine Sache der Gewöhnung. Um auf pure Lebensmittel wie Magerquark oder Naturjoghurt umsteigen zu können, muss man das Milchprodukt und den Geschmack trennen. Kaufen Sie Naturjogurt und süßen diesen großzügig mit einem guten Fruchtaufstrich. Kurzfristig erhöhen Sie damit vielleicht den Zuckergehalt des Jogurts aber Sie gewinnen Kontrolle zurück, denn SIE entscheiden wie viel Zucker sie rein tun, nicht die Industrie und Sie können diese Menge wieder kontrolliert reduzieren. Bei Mischprodukten aller Art ist das ein wichtiger Zwischenschritt: Kaufen Sie die ungesüßte Form und süßen Sie ruhig nach, denn es muss zu jeder Zeit schmecken!

Tipps:

  • Selbstgemachter Quark – 500 g Magerquark in eine Schüssel geben, Milch hinzugeben und mit einem Schneebesen glatt rühren. Milchmenge nach gewünschtem Grad der Cremigkeit bestimmen, man kann einen Teil der Milch auch kalt aufschäumen und unter den Quark heben. Nach Geschmack mit Zucker, Vanillezucker und Schokostreuseln süßen.
  • Ein Päckchen Vanillezucker auf einen Portionsbecher Naturjogurt kippen und umrühren: Schon hat man Vanillejoghurt. (Naturjogurt kann man auch selber machen)
  • Apfelmus, auch gesüßter, ist toll auf Quark und Naturjogurt.
  • Mit Bannanenstückchen, Nüssen, Datteln und Rosinen kann man Milchprodukte natürlich süßen und Aromatisieren. Experimentieren Sie mit der Konsistenz, wer keine Rosinen mag, mag vielleicht Rosinenmus.

Schritt vier ist dann wohl die größte Umstellung: Selber machen. In der rohen Zucchini gibt es garantiert keinen Zuckerzusatz, auch Äpfel, Bananen, Paprika, Walnüsse, Haferflocken etc. bringen nur natürlichen Zucker mit, der völlig in Ordnung ist. Fangen Sie also an, Dinge selbst zu machen und gehen Sie auch hier wieder ganz pragmatisch vor:

  1. Bestandteile trennen: Kaufen Sie keine Tiefkühlpizza, sondern Fertigpizzateig, Pizzatomaten in der Dose und ihren Wunschbelag.
  2. Lesen Sie die Zutatenlisten: Bei jedem Bestandteil wählen Sie das Produkt, mit den wenigsten Zutaten und ohne Zucker. Auch wenn Sie in der Summe mit Ihrer Auswahl höher liegen als beim Tiefkühlprodukt, Sie haben die Kontrolle zurück.
  3. Optimieren Sie nach: Ersetzen Sie die Pizzatomaten durch passierte Tomaten und getrockneten Oregano, nehmen Sie frische Champignons statt die aus der Dose, frische Ananas statt gezuckerter. Probieren Sie aus, ob Ihr Lieblingsbelag auch auf Vollkornpizzateig schmeckt.

Selber backen ist ein hervorragendes Mittel zur Zuckerreduktion, die meisten Rezepte kommen mit 50 g Zucker aus, während bei industrieller Fertigung das dreifache verwendet wird. Backen sie mit Hefe oder Sauerteigen wie dem Hermann, bei den Gärvorgängen wird der Zucker aufgespalten und wirkt im Körper gleich ganz anders. Hier gelten auch die Tipps aus dem Punkt „Reduktion“ ersetzen Sie einen Teil des  Zucker in Rezepten durch Rosinen und Nüsse. So bleibt die Süße erhalten, der Zuckeranteil auf das Volumen sinkt aber.

Auch das selber kochen und backen sollte kein Aufwand sein. Tütenprodukte sind zwar kein Ideal, weil dort oft Zucker versteckt ist, um den Geschmack der beim Pulverisieren verloren gegangen ist, wieder zu puschen, aber wenn Sie auf die Zutatenliste achten, ist ein Tütenprodukt, dem Sie frisches Gemüse zugeben noch immer besser als ein Fertigprodukt aus der Tiefkühltruhe. Außerdem ist es eben ein Schritt zum Selberwürzen und gewöhnt uns wieder ans Kochen, der absoluten Basis für jede Ernährungsumstellung.

Der schmerzfreie Verzicht.

Wenn Sie Ihren Körper vom Zucker entwöhnen, ersetzen Sie viele Lebensmittel automatisch. Statt schwarzen Tee mit Zucker trinken Sie jetzt Früchtetee, statt Fruchtquark Naturjogurt. Achten Sie jetzt darauf, welche Lebensmittel übrig geblieben sind und welche ganz rausgefallen? Bei gewissen Produkten ist der Zuckergehalt nun mal Grundbestandteil, jetzt ist der Moment der Wahrheit gekommen, haben Sie sich gut entwöhnt wird ihnen die Cola nicht mehr so recht schmecken, auch der Fertigpudding und der Energiedrink werden widerlich. Kommen Sie in Gastronomien plötzlich mit dem Klecks Ketchup aus, der früher viel zu wenig gewesen ist? Leiden Sie immer noch, wenn Sie sich nur eine Eiskugel holen statt drei oder ist Ihnen schon die Vorstellung von so viel Süßem zuwider?

Die Lebensmittelindustrie hat uns, ohne dass wir es gemerkt haben, auf enorme Zuckerwerte gepuscht, wir können die Spirale aber zurückdrehen und zwar ohne zu leiden, indem wir immer nur auf das verzichten, worauf wir schmerzfrei verzichten können. Mit jedem Gramm Zucker weniger fällt es uns leichter, auch das nächsten Gramm raus zu schmeißen, aber nur, wenn keiner dieser Schritte weh tut.

Wenn Sie Nichtraucher sind, fällt es ihnen doch auch nicht schwer, nicht zu rauchen, oder? Mit dem Zucker ist es genauso, wenn Sie ihren Grundspiegel senken ist es überhaupt nicht mehr schwer, nicht den ganzen Kuchen zu essen –, weil Ihnen schon nach zwei Stücken einfach schlecht wird 🙂

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Joghurt selber machen

Naturjoghurt ist extrem gesund, fördert die Verdauung und die Abwehrkräfte und ist einfach lecker. Doch egal in welcher Packungsgröße man ihn kauft, will man jeden Tag eine Portion essen so produziert man Unmengen an Müll oder Aufwand. Ja, Mehrweggläser bei Jogurt sind toll, aber im stressigen Familienalltag das Zeug regelmäßig zu holen, zu spülen und wieder weg zu bringen, ist echt viel verlangt. Über die Alternative sprechen wir nicht, die ist ökologischer Selbstmord.

Doch Joghurt selber machen ist extrem simpel, Anleitungen dazu gibt es zahlreich im Internet, hier beschriebe ich mein Vorgehen und meine Erfahrungen.

Der Joghurtbereiter

Wir haben uns das unheimlich günstig zu habende Modell JG 3519 von Severin geholt und weitere 8 Gläser, so dass wir mit insgesamt 22 Gläsern unterwegs sind, das ist bei sechs Personen etwas wenig, daher werden wir wohl noch ein Set Gläser bestellen, oder ich schenke meiner Mutter einen ganzen Bereiter und klaue ihr Gläser 🙂
Der Bereiter muss nichts können, außer die 38° C halten. Lassen Sie sich nicht von Timerfunktionen zum kauf teurerer Geräte verleiten. Dem Joghurt ist es piep egal ob er 12 oder 24 Stunden warm steht, doch danach muss er in die Kühlung um gut zu werden, das automatische Abschalten ist also eher ein Nachteil.

Der richtige Ansatz zu Start

20180118_224730.jpgAngeblich kann man Joghurt von jedem Naturjoghurt ziehen, so einfach ist das dann aber doch nicht. Wir mussten ziemlich lange rumprobieren, bis wir einen Joghurt hatten der von der Konsistenz und vom Geschmack her auch mehrere Generationen durchhielt. Gerade bei den fetten Joghurts mit 10% wurde der Joghurt schnell zu flüssig, bestimmte Marken entwickelten einen Nebengeschmack oder wurden sauer. Unser Favorit ist der Vollmilchjoghurt von Penny. Den gibt es im vierer Pack á 150g das reicht als Ansatz für zwei Ladungen Joghurt.

Und so gehts

Die Gläser spülen und gründlich trocknen, vor allem die Deckel immer auch per Hand nachspülen, weil sich in der Spülmaschine darin oft Wasser ablagert und das Salz der Maschine und das Reinigungsmittel den Joghurt verderben können, wenn der Joghurt im Bereiter zu schwitzen beginnt und das Kondenswasser vom Deckel wieder in den Joghurt tropft.

Für den Ansatz nehme ich 300g Joghurt, vor dem Verteilen den Joghurt umrühren. Dann  sind das zwei bis drei gehäufte Teelöffel pro Glas, einfach gleichmäßig verteilen. Dabei darauf achten, dass man nicht am Schraubrand kleckert. Wenn doch was hängen bleibt mit einem sauberen Tuch wegwischen, kein Körperfett von den Fingern oder gar Speichel in die Gläser kommen lassen. Dann den Joghurt mit einem knappen Liter H-Milch aufgießen, bis zur Biegung des Glases, so dass nur der Schraubrand frei bleibt. Keine fettarme Milch benutzen, 3,5% muss die schon haben, da es H-Milch ist muss man sie nicht noch mal abkochen und für den Prozess reicht Raumtemperatur aus.

Dann den Joghurtansatz mit der Milch verrühren, bis kein fester Joghurt mehr am Löffel festhängt. Mag sein, dass ich es mir nur einbilde, aber ich habe das Gefühl der Joghurt wird besser wenn man kontinuierlich in eine Richtung rührt und wenig Blasen auf der Oberfläche entstehen.

Nun nur noch Deckel drauf und in den Brutkasten. Mit der Zeitskalla auf dem Deckel kann man die Startzeit einstellen, damit man weiß wann der Joghurt raus muss.

Ich mache den Joghurt im 24 Stunden Rythmus, 12 Stunden brüten, 12 Stunden Kühlschrank, dann ist er fertig.

Weiterzüchten

Eine Ladung sind sieben Gläser mit je 150g, also einer Portion. Die Gläser halten nicht völlig dicht, daher sollte man sie in Zippbeuteln transportieren, aber ansonsten sind sie sehr stabil und überleben normalen Transport sehr gut. Für die nächste Ladung braucht man wieder 300g, also zwei Gläser Joghurt immer zurückbehalten und die nächste Runde mit eigenem Joghurt als Ansatz starten.

Immer mit sieben sauberen Gläsern starten, nicht auf die Idee kommen, dass man in den zwei die man vermehrt einfach einen Rest lassen könnte und mit Milch auffüllen. Sauberkeit ist allgemein unheimlich wichtig bei der ganzen Sache, immerhin züchten wir hier Bakterien, da müssen wir sicherstellen, dass es nur die erwünschten Bakterien sind.

Was kann wieso schief gehen und was nicht

  • Erschütterungen vermeiden
    So ein Joghurt kann einiges ab haben, aber wenn sie aus versehen gegen das Regal stoßen, auf dem der Joghurtbereiter steht können sie davon ausgehen, dass der Joghurt sauer wird und sich trennt. Leichte Vibrationen wie durch einen vorbeifahrenden LKW sind jedoch kein Problem
  • Sauberkeit ist das A und O
    Joghurtspritzer außerhalb der Milch, am Deckel oder Rand können im Joghurtbereiter sauer werden und den Geschmack oder die Konsistenz des Joghurts verändern. Mit den Fingern, durch den Atem oder durch Speichel kommen verschiedene Keime und Bakterien in den Joghurt und können diesen genauso verderben wie Reste von Spülmittel.
  • Auf die Stunde mehr oder weniger kommt es nicht an
    Der Joghurt braucht eine Mindestzeit von 8 bis 10 Stunden um sich weit genug zu vermehren, aber sobald die ganze Milch umgewandelt ist passiert da nicht mehr viel. Wir vergessen unseren Joghurt regelmäßig, einmal sogar über Nacht. Auch nach über 20 Stunden war das Ergebnis genauso wie bei den üblichen 12. Man muss sich also nicht stressen.
  • Die Kühlzeit ist genauso wichtig wie die Warmzeit
    Wenn man den Joghurt erst um Mitternacht in den Kühlschrank stellt wird man ihn nicht um sechs zum Frühstück essen können, zumindest nicht in voller Qualität. Der Joghurt braucht nicht nur seine 10 Stunden in der Wärme er braucht auch 8 bis 10 Stunden im Kühlschrank um fest zu werden, vorher ist er noch sehr flüssig.

Varianten und Geschmacksrichtungen

Wir ernähren uns ja Zuckerreduziert, daher essen wir den Joghurt in der Regel pur oder mit einem TL Honig. Auch gut kommt selbstgemachten Vanillezucker, ein EL Apfelmus, Schokostreusel, gehackte Nüsse, Ahornsirup oder ein TL Marmelade. Man kann auch jede Art von pürierten Früchten unter den Joghurt mischen, angeblich bereits direkt nach dem rausholen aus dem Bereiter, aber das haben wir noch nicht ausprobiert, wie gesagt essen wir den meistens pur oder als Dressing. Aber es gibt unzählige Rezepte und den Ideen sind keine Grenzen gesetzt, da findet jeder seinen Favoriten.

Ich wünsche viel Erfolg und Vergnügen bei der eigenen Joghurtproduktion und vor allem Guten Appetit!

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Uropa Hermann und Tipps zur Teigpflege

Mein Uropa hieß Hermann und war mein Prototyp von Opa, bis heute hat sein Foto einen Ehrenplatz in meiner Wohnung und die Erinnerung an ihn einen Ehrenplatz in meinem Herzen.

Daher musste ich sofort lächeln als ich bei meinen Recherchen zu zuckerfreierem Leben über den Kettenbrief-Teig Hermann gestolpert bin. Beim Hermannteig handelt es sich um einen auf Hefe basierendem Sauerteig, der mit Zucker und Weizenmehl gefüttert wird, sich daher hauptsächlich für Kuchen und Süßspeisen eignet.

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Das Grundrezept zum ansetzen und pflegen eines Hermannteiges findet man zahlreich im Internet, was man nicht findet und was ich ausprobieren und mir zusammensuchen musste sind Hilfsmittel und Fakten zur täglichen Pflege eines Hermanns, ohne dass es aufwändig wird. Inzwischen klappt es bei mir prima, mein Hermann ist einen Monat alt, die Pflege klappt gut und die Backergebnisse werden immer besser. Daher habe ich euch hier meine Tricks zusammengestellt.

  • Nur Glas oder Kunststoff verwenden.
    Der Hermannteig selbst darf nicht mit Metall umgerührt werden oder in einer Metallschüssel aufbewahrt werden, beim Backen ist das jedoch egal.
  • Handliche Aufbewahrung wählen.
    Der Hermann muss jeden Tag zum Umrühren rausgezogen werden und verbringt sein gesamtes Leben im Kühlschrank, er darf nicht ständig im Weg sein. Der Teig erreicht nach 10 Tagen ein Volumen von etwa 1 kg, gut geeignet ist also eine flache 2 bis 3 Liter fassende Plastikdose mit einfachem, graden Deckel, damit man den Teig jederzeit gut im Kühlschrank verstauen und ggf. Dinge auf der Dose abstellen kann. Keine Weckgläser oder dicht schließenden Gefäße, weil sich im Inneren Druck aufbaut der entweichen sollte.
  • Fütterungszutaten gesondert vorbereiten.
    Das Mehl zum füttern bildet Klümpchen die mit einem Holzlöffel schwer aufzubrechen sind. Daher sollte man das „Futter“, also Mehl, Zucker und Milch zuerst gesondert in einer Schüssel zusammenschütten und mit einem Schneebesen ordentlich verrühren und erst dann als Masse in den Hermann kippen. Danach trotzdem noch ordentlich mit dem Holzlöffel rühren, damit sich der Hermann mit dem Futter verbindet.
  • Umrühr-Protokoll führen und sichtbar aufhängen.
    Damit man das Rühren nicht vergisst, die Fütterungen regelmäßig macht aber auch nicht zu oft rührt, eignet sich ein Hermann-Anleitung mit dem 10-Tage-Zyklus und den entsprechenden Wochentagen. Dann kann man auch direkt sehen, wann wieder gebacken wird und es entsprechend einplanen.
  • Bei Backrezepten auf die Hermann-Menge und Backpulver Zugabe achten.
    Wenn in einem Rezept von „einer Portion Hermann“ gesprochen wird, sind in der Regel 200g bis 250g Hermann gemeint. Man wird aber manches ausprobieren und auch anpassen müssen, vor allem, weil in den meisten Rezepten noch zusätzlich Hefe oder Backpulver hinzukommt. Hermannteig ist ein Triebmittel, genauso wie Hefe oder Backpulver, je älter der Hermann ist, desto weniger wird zusätzliches Triebmittel gebraucht. Dabei klappt etwas Backpulver als Katalysator meiner Erfahrung nach besser als Trockenhefe.
  • Beim Umschütten großzügig sein.
    Am zehnten Tag wird der Hermann nach der Fütterung in vier Teile geteilt, 3 x 200g zum backen oder verschenken und der Rest bleibt als neuer Ansatz für den nächsten Zyklus. Da nach Adam Riese der Teig nach ansetzen und den ersten zehn Tagen 1050g hat, bleiben entsprechend 450g über. Der Ansatz wächst also, daher ist es nicht schlimm, wenn man beim Umschütten und allgemeinem Hantieren mit dem Teig großzügig ist. Gerade wenn man eine Portion Hermann einfriert, sollte man guten Gewissens 220g abgießen. Es bleibt immer genug über.
  • Behälter und Kühlschrank sanft sauber halten.
    Der Hermann ist ein Hefepilz, für den man optimale Wachstumsbedingungen schafft, man muss daher darauf achten, dass nicht auch unerwünschte Pilze oder Bakterien diese Bedingungen nutzen. Die Dose in der der Hermann die letzten 10 Tage verbracht hat, sollte daher beim Teilen immer gespült werden, jedoch reicht hier warmes Wasser und ein sauberes Tuch. Spülmittel oder gar Desinfektionsmittel können nicht nur den Hefepilz töten, sondern ruinieren auch den Geschmack.
  • Lieblingsrezepte immer analog speichern.
    Man sollte seine Lieblingsrezepte immer auch irgendwo aufschreiben, weil das Internet bei Rezepten durchaus mal unzuverlässig ist und die Hermannrezepte nicht so verbreitet sind.

Mit diesen Tricks wächst mein Hermann munter vor sich hin und jedes mal wenn ich ihn zum Umrühren raushole oder die daraus entstandenen Kuchen genieße denke ich an meinen Uropa und freue mich.

Ich hoffe euch geht es bald genauso.

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Der eingefrorene Hermann

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Wie Montag angekündigt habe ich 200g vom Hermann eingefroren. Einfach in einer Plastikdose. Am Donnerstag Mittag habe ich ihn aus dem Eisfach in den Kühlschrank gelegt und am Freitag Vormittag zu Muffins verbacken. Dabei habe ich das selbe Rezept verwendet wie am Montag nur mit einer anderen Geschmacksrichtung, sozusagen. Statt 200 g Mehl habe ich 75 g gemahlene Haselnüsse und 125 g Mehl genommen, die Zitronenschale weggelassen und statt Zitronensaft 80 ml Amaretto verwendet. Das Ergebnis war noch besser als die Zitronenversion die schon verdammt gut gewesen war. Der Amaretto war im Endergebnis nur als ganz feine Mandelnote zu schmecken und es war kein Alkohol mehr feststellbar, daher haben auch meine Kiddys munter zugeschlagen.

Dieses Rezept geht in mein Familienrezeptbuch ein und versöhnt mich etwas mit dem Hermann, der in den ersten Versuchen nicht so lecker geworden war, wie ich ihn in Erinnerung hatte.