Veröffentlicht in Allgemein

Wetter als Familienterapie

„Deutschland versinkt im Schneechaos.“

Kaum zeigt sich eine Schneeflocke am Himmel, schon taucht diese Schlagzeile auf. Bahnen fallen aus, die Umwelt wird mit Salz vergiftet weil anders die „Befahrbarkeit der Straßen“ nicht erhalten werden kann, während Nachbarn aufeinander los gehen, weil man den Gehweg noch nicht geräumt hat. Alle regen sich auf, alle sind genervt, keiner merkt, wie schön, hell und friedlich die Welt durch den Schnee wird.

Das Wetter war früher eine Therapie für alles. Wenn es Stürmte oder man eingeschneit war blieben einfach alle Zuhause. Es war wie Familientherapie, wie Erholungskur. Man war nicht faul, man könnt nur nichts tun, das gab ein gutes Gewissen. Die Auszeit kam vom Himmel selbst und machte die Menschen friedlicher, ausgeglichener, zufriedener.

Heute versuchen wir uns gegen das Wetter zu stemmen, komme was wolle. „Ich muss um 8 auf Arbeit sein! Also muss ich trotz Glätte 50 fahren.“ „Die Läden müssen unbedingt heute beliefert werden, daher vergiften wir das Grundwasser mit Streusalz“

Der Mensch hat sich so weit entwickelt, weil er flexibel gewesen ist. Doch genau diese Flexibilität verlieren wir immer mehr, weil wir in unserer Arroganz glauben über der Natur zu stehen, weil wir glauben einen wirtschaftlichen Vorteil zu erringen, wenn wir die Welt in der wir leben unterwerfen.

Heute Schneit es, was würde passieren, wenn alle Familien Zuhause blieben? Wenn Sie diese friedliche Zeit nutzen würden um miteinander zu sprechen, sich Geschichten zu erzählen um mehr Verständnis füreinander aufzubauen?

Ja, natürlich gibt es Berufe die so etwas nicht erlauben, Ärzte z.B. aber mal ehrlich, selbst wenn alle Bäcker und Läden wegen Schnee schließen würden, würde kein Mensch in Deutschland verhungern. Wenn alle Banken geschlossen hätten, wäre niemand ohne Geld, keine Firma würde pleite gehen, kein Krieg ausbrechen. Natürlich würden sich ganz viele Leute aufregen, weil sie den geriebenen Käse für das an diesem Tag geplante Essen nicht bekommen haben, aber mit einmal durchatmen würde man feststellen wie abhängig uns diese starren Strukturen vom Konsum machen und was anderes kochen.

Schnee gehört eigentlich zur Weihnachtszeit, Dank der Klimaveränderungen rutscht er immer weiter in den Jahresanfang, doch das Wort „besinnlich“ gehört zum Schnee genauso wie zur Weihnacht. Wenn es Schneit soll man sich „besinnen“ „nachsinnen“ über sich, das eigene Verhalten und die Welt.

Es schneit nur so wenige Tage im Jahr, vor allem hier im Ruhrgebeit. Müssen wir an diesen Tagen unbedingt alles so machen wie sonst auch und dafür unsere Umwelt und unsere Nerven nachhaltig schädigen? Wieso können Wetterereignisse kein Grund sein uns auf die Menschlichkeit zu besinnen? Wieso müssen wir auch an den Tagen der Maschinerie aus Wirtschaft und gesellschaftlichem Zwang dienen, an denen die ganze Welt dagegen ist? Statt sich darüber zu ärgern das irgendwo nicht geräumt ist, sollte man sich fragen, ob man da unbedingt heute hin muss? Und wieso man das muss, nur weil man es vor einem Monat so geplant hat? Ich wiederhole mich, wir sind so weit entwickelt, weil wir flexibel waren, weil wir umdenken konnten. Wieso wenden wir diese Flexibilität nicht auf so etwas ofensichtliches wie das Wetter an?

„Hallo Chef, ich komme heute nicht ins Büro, weil ich wegen Scheiben-kratzen und Verkehrslage eine Stunde früher aufstehen müsste und frieren und mich ärgern, außerdem sind die Wege nicht sicher und ich könnte mich und andere gefährden. Statt gestresst acht Stunden unproduktiv zu sein, nehme ich mir Zeit für meine Frau und meine Kinder, dadurch erspare ich Ihnen Krankheitstage, der Gesellschaft Terapiekosten und der Stadt Folgekosten durch Umwelt- und Straßenschäden“

Wir sollten das Wetter nicht als Feind sehen, gegen den wir aufrüsten müssen, sonder als Teil unseres Lebens.

Nur so ein Gedanke.

Autor:

Ich bin Jahrgang 81, Vollblutgermanistin, Frau, Mutter, Tochter, Weltverbesserin. Irgendwie schräg und laut und doch total schüchtern und introvertiert.

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