Veröffentlicht in Soziales

Um 4 Uhr wach – der etwas andere Tagesrhythmus

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und dabei reichen ihm nicht die eigenen Gewohnheiten, er neigt dazu, auch die Gewohnheiten anderer anzunehmen, das nennt sich dann Konvention. Eine solche Konvention ist unser „Nachtleben“, also die Gewohnheit die Kinder um 19 Uhr ins Bett zu schicken und dann völlig gerädert noch bis 22 Uhr vor der Glotze zu vegetieren, bis die abwesende Gesellschaft es uns endlich erlaubt ins Bett zu gehen.

Ja, natürlich gibt es Menschen die Abends noch ausgehen, sich mit Freunden treffen oder was sinnvolles Unternehmen, und wir Eltern reden uns verdammt lange ein, dass wir das auch noch tun würden. Doch wenn man es genau betrachtet, sind unsere sinnvollen Aktivitäten nach 19 Uhr extrem selten. Das ist kein Jammern, als Eltern führt man ein extrem aktives und abwechslungsreiches Leben, aber eben von 7 Uhr früh bis 19 Uhr abends. Denn hat man die Kinder erst einmal im Bett, ist man ans Haus gebunden, genauso wie der restliche Freundeskreis in der Regel auch. Also bleibt der Partner der einzige Kontakt – doch der hat auch schon seinen Teil geleistet, war arbeiten, hat sich das Drama beim Haarewaschen der Kinder gegeben, schnell noch die Spülmaschine ausgeräumt, und schon sind wir beim „völlig gerädert“ auf dem Sofa hängen.

Durch die Konvention unsere Partner- und Freizeit ans Ende des Tages zu hängen, entwerten wir sie total und steigern den Stresslevel in unserem Alltag. Dabei wäre es so einfach, halten Sie sich doch mal NICHT an die Konvention. Gehen Sie mit ihren Kindern um 19 Uhr schlafen und stehen halt um 4 Uhr auf. Was für ein Luxus, wenn der Wecker klingelt, haben Sie immer noch zwei bis drei Stunden Zeit bevor das Leben richtig los geht.

Seit etwa einem Jahr versuche ich genau diesen Rhythmus einzuhalten, klappt nicht immer, den die Konvention zerrt regelmäßig an einem, doch gerade im Sommer, wenn der Körper genügend Tagessicht abbekommt und Vitamin D und Serotonin produziert klappt das gegen den Strom schwimmen prima.

Abends mit Kindern entspannen

Kinder lernen durch Nachahmung, daher ist das zu Bett gehen, obwohl es draußen noch hell ist, überhaupt kein Problem, wenn Mama und Papa es vormachen. Duschen, Umziehen, Zähneputzen – statt es 100mal zu sagen, mache ich es einfach vor, kein Kind rennt vor Ablauf der 3 Minuten aus dem Bad, wenn Mama auch da steht und ihre Zähne demonstrativ nach der Anweisung vom Zahnarzt schrubbt.

Wie gemütlich ist es doch gemeinsam kuschelnd im Familienbett einzuschlafen, vor allem wenn die Eltern nicht angespannt darauf warten, dass Nachwuchs endlich die Augen zu macht, damit sie aufspringen können, um noch den Abwasch zu machen.

Am Montag Morgen ausschlafen

Wenn dann um vier der Wecker mit sanften Tönen losgeht, ist das an den ersten Tagen noch etwas ungewohnt, der Körper kann die Schlafhormone nicht richtig abschütteln, aber es ist auch egal, machen Sie den Wecker einfach aus und schlafen heute mal länger, trotz Montag morgen.

Die Bedeutung von Schlaf unterschätzen wir so oft, weil es etwas ist, auf das wir einfacher verzichten können, als auf Essen, oder unseren Job. Doch Schlafmangel ist für unseren Körper pure Folter. Wenn Sie ihren Tagesrhythmus umstellen, werden Sie das sofort merken, ihr Körper wird Schlaf nachfordern und die ersten drei bis fünf Tage wird es nichts mit 4 Uhr früh aufstehen, aber keine Sorge, sie bekommen ihre Zeit zurück, versprochen!

Der Luxusmorgen im Alltag

Nach spätestens einer Woche wird Ihr Körper begriffen haben, dass die Luxuszeit zur Regel geworden ist und Sie werden beim ausmachen des Weckers nicht wieder einschlafen. Um vier Uhr aufzustehen ist im ersten Moment befremdlich, weil es die Zeit ist, zu der selbst die Großstadt ganz leise ist. Plötzlich bekommt der sonst so unangenehm laute Balkon seinen Wert zurück. Setzen Sie sich mit ihrem Partner und einem Kaffee raus und besprechen erst mal den Tag. Welche Termine stehen an, was ist alles zu tun? Wie hübsch du heute morgen doch bist!

Das gemütliche Frühstück ist ein Luxus auf den wir uns bei jedem Urlaub freuen, dabei könnten wir es jeden Morgen haben, in aller Ruhe. Ein Ritual für unsere Seele und dabei so verdammt pragmatisch: Der Tag, den wir gerade planen hat auch wirklich begonnen, die Planung verfolgt uns nicht in den Schlaf und wird auch nicht durch ihn verdrängt. Wenn da „Spülmaschine ausräumen“ steht, so können wir sofort aufstehen und es tun. Mit wachem Kopf ist die Steuer doppelt so schnell fertig und der Film, auf den man sich schon so lange gefreut hat, kann wach viel besser genossen werden.

Sie werden erstaunt sein, wie viel effektiver Sie sind, wenn Sie in ihrer Freizeit wach sind.

Stressfrei zum Kindergarten und zur Schule

Wenn das Koffein in Mamas Blutkreislauf bereits wirkt ist auch der Morgen der Kinder viel entspannter. Sie wachen in einer aktiven Stimmung auf, weil der Blogartikel der Mama im Nacken saß schon fertig ist, weil Papa die politische Lage bereits ausdiskutiert hat, weil der Sportbeutel schon bereit liegt und die gesunde Beilage für die Pausenbrote schon geschnitten ist. Dieser Vorsprung vor der Brut ist Gold wert und kann noch weit ins Teenager-Alter genutzt werden, weil es einem dann egal sein kann, wenn die 15-Jährige das Bad blockiert und die miese Stimmung des 13-Jährigen nicht mit den gerade selbst erst aufgestandenen Eltern kollidiert.

Länger aufbleiben geht immer

Und was, wenn Sie doch mal abends einen Termin haben? Ja genau, und was? – Nichts! Dann bleiben sie halt länger auf, es ist ja nicht so, als ob Ausgehen bei der „ich gammle bis 22 Uhr“-Variante nicht auch anstrengend gewesen wäre. Beim Morgenrhythmus haben Sie jedoch den Vorteil, dass Ihr Körper glaubt, sie müssten um vier aufstehen und das Ausschlafen bis sechs als Extrazeit wahrnimmt 🙂

Autor:

Ich bin Jahrgang 81, Vollblutgermanistin, Frau, Mutter, Tochter, Weltverbesserin. Irgendwie schräg und laut und doch total schüchtern und introvertiert.

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