Veröffentlicht in Musik, Veranstaltungstipps

Mr. Hurley und die Pulveraffen

Nachdem unsere Kinder in ihrem Musikgeschmack mit dem Bogen von Mark Forster über Peter Maffay hin zu Santiano bereits eine gewisse Tendenz erkennen ließen, ich mit meiner Begeisterung für Ye Banished Privateers jedoch nur auf mäßige Resonanz stieß, was wir aber auf mangelnde Sprachkenntnisse auf Seiten unseres Nachwuchses schoben, befinden wir uns nun seit ein paar Wochen im musikalischen Freudentaumel:

Mr. Hurley und die Pulveraffen

Grandios!

Auf der ersten Autofahrt, auf der das aktuelle Album „Tortuga“ lief, war es auf der hinteren Bank verdächtig still. Die Kleine war in der Tat eingeschlafen, der Große jedoch lauschte wie gebannt über eine Stunde lang den Klängen dieser Osnabrücker Piraten-Folk-Spaßband. Und auch ich teile väterlich die Begeisterung.

Die Pulveraffen bringen gute und tiefsinnig-humorvolle Texte mit hervorragenden instrumentalen Fähigkeiten und einem Händchen für eingängige Melodien zusammen. Die Basis ist dabei Folk, bei dem die kindliche Prägung durch The Dubliners durchsickert, wie aus irgendeinem Interview hervorging. Verfeinert wird es durch gekonnte Abstecher in nicht nur benachbarte Genres, wie „Nüchtern“ (bayrische Volksmusik), „Alll!“ (chinesische Folklore), „Urlaub“ (Hawaii lässt grüßen) oder „Wär‘ ich Gouverneur“ (eine klassische Ballade) beweisen.

Textlich wird im weitesten Sinne das Piratenleben beschrieben. Viel Rum, karibische Geographie und Seemannsleben füllen die bisherigen Alben. „Taljenblock“ ist hier wiederum eine Hommage an The Dubliners‘ „Sick Note“. Mein Favorit „Haare im Gesicht“ führt an diversen Beispielen der Menschheitsgeschichte an, warum sich Männer eine Bart stehen lassen sollten, während „Haken an der Sache“ jeden verwegenen Seemann auf den Boden der Tatsachen zurückholt, der sich für gefährlich hält, nur weil er einen Haken am Armstumpf hat. Zwischendurch gibt’s immer wieder hervorstechende Zeilen, die auch Vierjährige mit Inbrunst mitgrölen kann, beispielsweise „Keine Hose – kein Problem!“ (aus Tortuga) artet bei uns meist in ziemlichem Lärm aus. Mit zunehmendem Lebensalter und -erfahrung wird der Hörer Unmengen an Anspielungen und Zitaten in den Texten wiederfinden, dass es nur so eine Freude ist.

Ach, und eine wunderbare Idee ist es übrigens auch, die Alben mit einem Hörspiel aufzulockern. Hier erwarte ich  für die Zukunft ein vollständiges Hörspiel!

Die Gruppe besteht aus drei bis vier Geschwistern und hat bereits eine recht ansehnliche Karriere zustande gebracht: Die ersten beiden Alben Affentheater (2012) und Grog ’n‘ Roll (2013) sind zwar ganz nett, aber noch nicht zwingend notwendig. Sie bestehen zum großen Teil aus Coverversionen und lassen die kompositorische Klasse der letzten beiden Alben Voodoo (2015) und Tortuga (2017) vermissen. Darüber hinaus machen die Musiker seit einigen Jahren diverse Festivals im Metal- und Rockbereich, Mittelaltermärkte und Touren unsicher.

Tja, und für uns heißt das, dass wir uns am 29. April 2018 die Pulveraffen in Dortmund auf dem MPS anschauen werden – und uns dort mal von den livehaftigen Qualitäten der Gruppe überzeugen können – übrigens zusammen mit Ye Banished Privateers.

Links:

 

 

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