Veröffentlicht in Ernährung

Uropa Hermann und Tipps zur Teigpflege

Mein Uropa hieß Hermann und war mein Prototyp von Opa, bis heute hat sein Foto einen Ehrenplatz in meiner Wohnung und die Erinnerung an ihn einen Ehrenplatz in meinem Herzen.

Daher musste ich sofort lächeln als ich bei meinen Recherchen zu zuckerfreierem Leben über den Kettenbrief-Teig Hermann gestolpert bin. Beim Hermannteig handelt es sich um einen auf Hefe basierendem Sauerteig, der mit Zucker und Weizenmehl gefüttert wird, sich daher hauptsächlich für Kuchen und Süßspeisen eignet.

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Das Grundrezept zum ansetzen und pflegen eines Hermannteiges findet man zahlreich im Internet, was man nicht findet und was ich ausprobieren und mir zusammensuchen musste sind Hilfsmittel und Fakten zur täglichen Pflege eines Hermanns, ohne dass es aufwändig wird. Inzwischen klappt es bei mir prima, mein Hermann ist einen Monat alt, die Pflege klappt gut und die Backergebnisse werden immer besser. Daher habe ich euch hier meine Tricks zusammengestellt.

  • Nur Glas oder Kunststoff verwenden.
    Der Hermannteig selbst darf nicht mit Metall umgerührt werden oder in einer Metallschüssel aufbewahrt werden, beim Backen ist das jedoch egal.
  • Handliche Aufbewahrung wählen.
    Der Hermann muss jeden Tag zum Umrühren rausgezogen werden und verbringt sein gesamtes Leben im Kühlschrank, er darf nicht ständig im Weg sein. Der Teig erreicht nach 10 Tagen ein Volumen von etwa 1 kg, gut geeignet ist also eine flache 2 bis 3 Liter fassende Plastikdose mit einfachem, graden Deckel, damit man den Teig jederzeit gut im Kühlschrank verstauen und ggf. Dinge auf der Dose abstellen kann. Keine Weckgläser oder dicht schließenden Gefäße, weil sich im Inneren Druck aufbaut der entweichen sollte.
  • Fütterungszutaten gesondert vorbereiten.
    Das Mehl zum füttern bildet Klümpchen die mit einem Holzlöffel schwer aufzubrechen sind. Daher sollte man das „Futter“, also Mehl, Zucker und Milch zuerst gesondert in einer Schüssel zusammenschütten und mit einem Schneebesen ordentlich verrühren und erst dann als Masse in den Hermann kippen. Danach trotzdem noch ordentlich mit dem Holzlöffel rühren, damit sich der Hermann mit dem Futter verbindet.
  • Umrühr-Protokoll führen und sichtbar aufhängen.
    Damit man das Rühren nicht vergisst, die Fütterungen regelmäßig macht aber auch nicht zu oft rührt, eignet sich ein Hermann-Anleitung mit dem 10-Tage-Zyklus und den entsprechenden Wochentagen. Dann kann man auch direkt sehen, wann wieder gebacken wird und es entsprechend einplanen.
  • Bei Backrezepten auf die Hermann-Menge und Backpulver Zugabe achten.
    Wenn in einem Rezept von „einer Portion Hermann“ gesprochen wird, sind in der Regel 200g bis 250g Hermann gemeint. Man wird aber manches ausprobieren und auch anpassen müssen, vor allem, weil in den meisten Rezepten noch zusätzlich Hefe oder Backpulver hinzukommt. Hermannteig ist ein Triebmittel, genauso wie Hefe oder Backpulver, je älter der Hermann ist, desto weniger wird zusätzliches Triebmittel gebraucht. Dabei klappt etwas Backpulver als Katalysator meiner Erfahrung nach besser als Trockenhefe.
  • Beim Umschütten großzügig sein.
    Am zehnten Tag wird der Hermann nach der Fütterung in vier Teile geteilt, 3 x 200g zum backen oder verschenken und der Rest bleibt als neuer Ansatz für den nächsten Zyklus. Da nach Adam Riese der Teig nach ansetzen und den ersten zehn Tagen 1050g hat, bleiben entsprechend 450g über. Der Ansatz wächst also, daher ist es nicht schlimm, wenn man beim Umschütten und allgemeinem Hantieren mit dem Teig großzügig ist. Gerade wenn man eine Portion Hermann einfriert, sollte man guten Gewissens 220g abgießen. Es bleibt immer genug über.
  • Behälter und Kühlschrank sanft sauber halten.
    Der Hermann ist ein Hefepilz, für den man optimale Wachstumsbedingungen schafft, man muss daher darauf achten, dass nicht auch unerwünschte Pilze oder Bakterien diese Bedingungen nutzen. Die Dose in der der Hermann die letzten 10 Tage verbracht hat, sollte daher beim Teilen immer gespült werden, jedoch reicht hier warmes Wasser und ein sauberes Tuch. Spülmittel oder gar Desinfektionsmittel können nicht nur den Hefepilz töten, sondern ruinieren auch den Geschmack.
  • Lieblingsrezepte immer analog speichern.
    Man sollte seine Lieblingsrezepte immer auch irgendwo aufschreiben, weil das Internet bei Rezepten durchaus mal unzuverlässig ist und die Hermannrezepte nicht so verbreitet sind.

Mit diesen Tricks wächst mein Hermann munter vor sich hin und jedes mal wenn ich ihn zum Umrühren raushole oder die daraus entstandenen Kuchen genieße denke ich an meinen Uropa und freue mich.

Ich hoffe euch geht es bald genauso.

Autor:

Ich bin Jahrgang 81, Vollblutgermanistin, Frau, Mutter, Tochter, Weltverbesserin. Irgendwie schräg und laut und doch total schüchtern und introvertiert.

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